Mittwoch, 22. Juli 2026

Drei Wochen Pause und eine unverhoffte Begegnung mit Clara

 Vor ungefähr drei Wochen hatte ich einen Motivationsschub.

Denn, mein zweites Buch könnte dieses Jahr erscheinen.

Das ist für mich ein ziemlich großer Satz. 

Nicht nur, weil es sich dabei um mein zweites, auf Deutsch, veröffentlichtes Buch handelt, sondern weil es mein erster richtiger Roman ist. Mein erstes langes Buch. Ein Kriminalroman, an dem ich inzwischen seit fast zwei Jahren schreibe und dessen Ursprünge sogar noch weiter zurückreichen.

Denn eine der Figuren in diesem Roman begleitet mich bereits seit über zwanzig Jahren.

Das Buch selbst ist natürlich deutlich jünger.

Aber manchmal brauchen Geschichten eben eine Weile, bis sie wissen, was sie werden wollen.

Inzwischen fehlen diesem Roman nur noch einige Details. Dann muss er überarbeitet und lektoriert werden. Meine ersten Testleser stehen auch schon ungeduldig in den Startlöchern.

Ich war also an einem Punkt angekommen, an dem ich dachte: Jetzt sollte ich vielleicht langsam anfangen, mich als Autorin sichtbar zu machen.

Nicht erst dann, wenn das Buch fertig ist.

Jetzt.

Dabei habe ich festgestellt, dass ich mich in vielem, was moderne Autorinnen und Autoren heute tun sollen, nicht besonders gut wiederfinde.

Videos drehen.

Sich selbst zeigen.

Ständig präsent sein.

Ich verstehe, dass das funktioniert. Ich weiß nur nicht, ob es meine Sprache ist.

Also habe ich mich für die "klassische" Variante entschieden und habe eine Autorenwebsite erstellt und einen Blog begonnen. 

Und dann wurde ich krank.

Nicht für ein paar Tage, sondern so richtig. mit 3 Wochen im Bett.

Eine Atemwegsinfektion hatte mir nicht nur die Energie, sondern zeitweise auch die Stimme genommen. Sprechen und Schlucken tat weh. Und an Schreiben war schon deshalb kaum zu denken, weil selbst die Konzentration für einen zusammenhängenden Gedanken manchmal nicht mehr da war.

Mein Blog wartete.

Mein Roman wartete.

Mein Alltag wartete.

Und während ich das alles aus dem Bett heraus mehr oder weniger hilflos betrachtete, passierte etwas, das ich eigentlich hatte begleiten wollen:

"Im Dazwischen" erschien wieder.

Ich hatte mich in den Wochen davor intensiv mit dem Buch beschäftigt.

Nur auf eine etwas ungewöhnliche Weise.

Nicht mit seinem Inhalt.

Nicht mit seiner Stimme.

Sondern mit seinem Aussehen.

Inzwischen ist dieses erste Buch in einer dritten Auflage wieder im Selbstverlag erschienen. Ich habe es neu gesetzt, neu gestaltet und ein neues Cover entwickelt.

Nachdem ich mich damals so intensiv mit dem Inhalt beschäftigt hatte, mit der Geschichte, die ich erzählen wollte, der "Message" und den Charakteren, hatte ich nun den Abstand, mich mit dem an es in die Hand nimmt und sich fragt:

Würde ich es heute noch so gestalten? Was würde ich anders machen?

Und dann war es wieder da, und war wieder ganz meins.

Und ich lag im Bett.

Ich konnte es nicht bewerben. Nicht darüber sprechen. Nicht die Freude darüber in die Welt hinausposaunen.

Meine Stimme war weg, im wahrsten Sinne des Wortes.

Also habe ich alte Filme geschaut.

Das ist etwas, das ich sehr gerne tue, wenn ich krank bin.

Neue Geschichten verlangen Aufmerksamkeit. Man muss sich orientieren, Figuren kennenlernen, Zusammenhänge verstehen.

Alte Geschichten sind Geborgenheit.

Man weiß, wo man ist.

Man kennt die Gesichter.

Man kennt die Wendungen der Geschichte.

Als Kind waren es die Filme, die am Sonntagnachmittag bei den Großeltern liefen. Heinz Erhardt. Heinz Rühmann. Peter Alexander..... Wirtschaftswunderromantik.

Bei mir sind es heute eher Gene Tierney, Dana Andrews, Charlie Chaplin, Ida Lupino oder James Stewart.

Viele meiner Helden sind schon lange tot.

Und trotzdem sind sie mir vertraut.

Vielleicht ist das eine der seltsamsten Formen von Nähe, eine Art parasoziale Beziehung: sich von Menschen trösten zu lassen, die man nie getroffen hat und die längst nicht mehr leben.

Und als ich da so in meinem Bett lag, mit heißer Zitrone, während einer Hitzewelle, musste ich  irgendwann an Clara denken.

Clara ist die Hauptfigur aus "Im Dazwischen".

Sie hat für sich schon früh entdeckt, dass bestimmte alte Filme für sie ein sicherer Ort sind. Charlie Chaplin, Buster Keaton.  

Menschen, die nicht sprechen müssen, um etwas zu sagen.

Figuren, die mit einer Bewegung, einem Blick oder einem Stolpern ganze Geschichten erzählen können.

Ich habe diese Idee vor über einem Jahr geschrieben.

Und plötzlich lag ich selbst im Bett und tat etwas, das Clara sehr gut verstehen würde.

Ich kehrte zu vertrauten Geschichten zurück.

Nicht, weil ich keine neuen Geschichten mochte.

Sondern weil ich in diesem Moment keine neuen Geschichten brauchte.

Ich wollte nichts kennenlernen.

Ich wollte wiedererkennen.

Und vielleicht habe ich dadurch ein wenig besser verstanden, warum Clara diese Filme braucht.

Einfach, weil ich selbst für eine Weile etwas Ähnliches gebraucht habe.

Das ist vermutlich eine der merkwürdigen Freuden am Schreiben.

Man glaubt, man kennt seine Figuren.

Und dann lebt man ein wenig weiter, schaut andere Geschichten, wird krank, und begegnet einer Figur aus dem eigenen Buch plötzlich noch einmal neu.

"Im Dazwischen" ist inzwischen wieder erhältlich: als E-Book und Paperback bei Amazon sowie direkt bei mir.

Ich habe die Veröffentlichung nicht so begleiten können, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Aber vielleicht ist das nicht schlimm.

Manchmal muss man eine Geschichte nicht laut in die Welt hinausbringen.

Manchmal ist sie einfach wieder da.

Und manchmal braucht man drei Wochen Pause, um sie wiederzufinden.

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